Green Screen Tour 2018

Lange nicht mehr in Berlin gewesen und dann gleich mitten rein. Potsdamer Platz, CinemaxX. Ganz großes Kino!

Es ist die Premiere der Green Screen Tour 2018. Ein kurzweiliges Potpourri aus sieben internationalen Naturfilmen, die während des Green Screen Naturfilmfestival 2017 in Eckernförde prämiert wurden. Für die Tour wurden die Filme zu einem Special Tour Cut zusammengeschnitten, der insgesamt neunzig – viel zu kurze – Minuten dauerte.

Besonders schön für mich: Chloé begleitet mich. Sie ist erprobt, was mehrstündige Naturdokumentationen anbelangt. Letztes Jahr waren wir zur International Ocean Film Tour 4 in der Kulturfabrik in Leipzig.

Die Premiere der Green Screen Tour findet im Beisein von TV-Moderator, Naturfilmer und Festivalleiter Dirk Steffens statt, der beim Kartenkauf im Foyer plötzlich neben mir steht. Also fast. Ich brauche einen Moment, um ihn zu erkennen, einen weiteren, um meinem Gehirn die Chance zu geben, mein Glück zu fassen, und einen dritten Moment, um dem „Terra X-Mann“ (die Kinder nennen ihn so…) zuzulächeln. Er lächelt zurück und lässt den Blick zufrieden über die endlose Schlange von Besuchern schweifen, bevor er einen der Regisseure begrüßt und wieder verschwindet.

Die sieben präsentierten Filme waren trotz der Kurzfassung so beeindruckend, mitreißend und emotionsgeladen, dass es fast unvorstellbar ist, welche Kraft in den 40- bis 90-minütigen Originalfassungen stecken muss.
Zum Beispiel „Megeti“, eine im Original 50-minütige Dokumentation über Äthiopische Wölfe, einer endemischen Art, die nur im Hochland von Äthiopien vorkommt und in ihrem Fortbestand als bedroht eingestuft wird. Der Film schildert die Geschichte einer Wölfin, Megeti, welche ihr altes Rudel verloren hat und Anschluss an ein neues sucht. Die Geschichte ist so zart erzählt, immer schwingt ein unheilvoller Klang mit. Die Bedrohung und der Überlebenskampf übertragen sich auf den Zuschauer und man windet sich innerlich vor Hilflosigkeit angesichts der schönen, eleganten Tiere, die hochgewachsenen Füchsen ähneln, und ihrem ohnmächtigen Kampf gegen einen unsichtbaren Feind: der durch den Menschen mitgebrachten Hundestaupe.
Der Film endet tragisch und muss wohl schon allein deswegen als Opener herhalten, weil am Schluss des atemberaubenden Programms Megetis Schicksal wie ein dunkles Omen über eine düstere Zukunft in den Köpfen des Publikums verankert geblieben wäre.
Trotz der immer durchklingenden Mahnung zur Achtsamkeit im Umgang mit der Natur zeigt das Programm auch Filme, die sich mit der puren Faszination im Tierreich beschäftigen: Sir David Attenboroughs Film „Leuchtfeuer des Lebens“ über das Phänomen Biolumineszenz, welcher Teil der BBC-Serie „Blue Planet II“ ist, oder „Wildes Neuseeland – Im Reich der Extreme“ von Mark Flowers und Robert Morgenstern, der zur Premiere anwesend war. Er schildert dem Publikum kurz die Strapazen der einmonatigen Drehzeit im nächtlichen Regenwald einer im Film nur sechzig Sekunden dauernden Sequenz über eine Mückenlarve, die mittels Biolumineszenz Beute anzulocken versucht.
Unter den preisgekrönten Filmen gab es aber auch die, welche die heimische Natur zum Gegenstand hatten. Aus „Zugvögel – Kundschafter in fernen Welten“ wurde eine Episode aufgeführt, in der Störche auf ihrem Weg von Deutschland nach Afrika begleitet wurden. Der technische Aufwand, den die Macher betrieben, um die Tiere auf ihren Routen zu begleiten und filmen, verschafft dem Zuschauer einzigartige Bilder von der Reise eines Jungstorches namens Borni, der mit GPS-Sender versehen zum ersten Mal und ganz auf eigene Faust den Weg nach Afrika sucht – und findet. Derzeit kann man diese als besten Wissenschaftsfilm ausgezeichnete Dokumentation in der ZDF Mediathek ansehen (Link unten).

Zu den Förderern des Naturfilmfestivals gehört unter anderem die Heinz Sielmann Stiftung, welche auch die Tour präsentiert. Eher zufällig entdeckte ich kürzlich einen Link auf facebook, in der die Stiftung auf das Insektensterben, insbesondere bei den Wildbienen, aufmerksam machte. Zum Infomaterial gehörte auch eine DVD mit dem Film „Biene Majas wilde Schwestern“ von Regisseur Jan Hanft. Auch dieser Film wurde auf der Green Screen Tour 2018 in einer Kurzversion vorgeführt und hat mich sehr begeistert. Jan Hanft, Gründer der Produktionsfirma nautilusfilm, machte sich in den vergangenen Jahren durch zahlreiche preisgekrönte Dokumentation über die heimische Natur einen Namen. Sein Markenzeichen sind der großartige Zoom in den Mikrokosmos sowie Slow-motion-Aufnahmen und fantastische Geräusche aus einer sonst unbemerkt vor uns liegenen Welt inmitten von Wiesen, Mooren und Wäldern.

Interessante Links zum Weiterstöbern:

www.greenscreen-festival.de
www.megeti.film
www.nautilusfilm.de
Biolumineszenz (englischsprachiger Auszug) auf www.bbc.com
Infos zu „Zugvögel – Kundschafter in fernen Welten“ unter www.colourfield.de
„Zugvögel – Kundschafter in fernen Welten““ in der ZDF Mediathek
www.sielmann-stiftung.de

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