Nationalpark – Wo Mensch und Wildnis sich begegnen

Mit knapp 50 Seiten kommt die Quartalszeitschrift Nationalpark augenscheinlich recht schmal daher. Dafür glänzt sie jedoch mit Beiträgen jenseits des Mainstream. Die Themen sind der eigenen Lebenswelt nicht sehr fremd, oft scheinbar nur ein paar Schritte von der eigenen Haustür entfernt. Diese Nähe zum persönlichen Umfeld macht es so reizvoll, in der Zeitschrift zu blättern.

Themen

Was „Nationalpark“ von anderen Umwelt- und Naturmagazinen unterscheidet, sind vor allem die taxierten Themen. Nie wird dabei nur einseitig dargestellt und schon gar nicht geschönt. Egal, ob es sich um die Vorstellung von Tier- und Pflanzenarten, Landschaften oder Umweltproblemen handelt, immer werden unterschiedliche Blickwinkel beleuchtet. Zuweilen tritt in den Artikeln ein energischer und kritischer Ton hervor, wohl aber auch Objektivität, vor allem in kontroversen Themen.

Auffällig ist das Bemühen der Autoren um die Vermittlung von Zusammenhängen, die zu den geschilderten Problemen und Konflikten führen. Somit wird Kompliziertes nachvollziehbar und verständlich.

Die Autoren bedienen sich keines wissenschaftlichen Fachjargons, obwohl viele von Ihnen als Biologen, Agrar- und Forstwissenschaftler, Ökologen oder Umweltpädagogen vom Fach sind. Doch weisen ihre Beiträge sehr wohl einen sachlich-anspruchsvollen Charakter auf.

Inhalt Zeitschrift Nationalpark Ausgabe 180
Themenvielfalt in der Zeitschrift „Nationalpark“

Neben Flora und Fauna von Landschaften stehen Naturschutz und Umweltprobleme thematisch im Vordergrund. Es geht um Bodenknappheit, Artenvielfalt, Klimawandel und Umweltzerstörung.

Die Zeitschrift widmet sich auch der Vorstellung von wichtigen und einflussreichen Umweltschutzorganisationen jenseits der Popularität von BUND und NABU.

Portrait Hnuti DUHA in Nationalpark Ausgabe 172
Der 1989 gegründeten tschechischen Umweltbewegung Hnutí DUHA („Regenbogen-Bewegung“) widmete die Ausgabe 172 ein Porträt.

Erwähnenswert ist, dass „Nationalpark“ nicht nur von den nationalen Naturschutzgebieten berichtet, sondern auch über europäische und internationale Regionen.

Ein großes Thema mit seiner ganzen Bandbreite ist die Koexistenz von Mensch und Natur, Zivilisation und Wildnis sowie all den Konflikten, die sich daraus ergeben. Dabei wird nicht einfach kritisiert, auch wenn die persönliche Haltung des Autors durchaus klar herauszulesen ist. Vielmehr wird der Leser zum hinterfragen und nachdenken geführt. Einige Beispiele:
Wie und warum gestalten wir Gärten? Wie pflegeleicht brauchen wir die Natur vor der Haustür und wie viel nützt sie so überhaupt noch? Wie steht es um die Stille in Naturschutzzonen? Ist Straßenlärm darin akzeptabel oder müsste Lärmschutz auch auf Bundesstraßen im näheren Umfeld ausgedehnt werden? Wenn Arten verschwinden, fällt das den meisten – wenn überhaupt – nicht gleich auf. Aber wie gehen wir damit um, wenn Arten wie Wolf, Wisent oder Luchs in Lebensräumen wieder auftauchen?

Regelmäßig erscheinen Rubriken in der Zeitschrift, wie das Naturschutzpanorama oder die Naturschutz-Infothek. Erstere stellt ein Potpourri aus Kurzberichten über aktuelle Entwicklungen in Naturschutzgebieten dar. Auch hier ist die internationale Perspektive gegeben. In der Naturschutz-Infothek werden unterschiedliche Medien vorgestellt: Sachbücher, Bildbände, wissenschaftliche Publikationen…

Vorstellung Naturregion in Zeitschrift Nationalpark 2
„Immer eine Reise wert“ führte in Ausgabe 179 in das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz
Vorstellung Naturregion in Zeitschrift Nationalpark
Am Ende geben Kurzinfos zu Lage, Anfahrt und Ausflugstipps einen Überblick

In jeder Ausgabe werden zwei Nationalparks vorgestellt. Auf jeweils 2 Doppelseiten gibt es eine authentische Reportage sowie aktuelle Informationen zu Anreise, Aufenthalt und Lage des Parks zu lesen. Dieser Teil der Zeitschrift ist unter der Rubrik „Immer eine Reise wert“  anteilig zwar der größte, doch viel zu schnell ist ein solch interessanter Artikel ausgelesen und man wünscht sich irgendwie einen kleinen Nachschlag, eine Zugabe, einfach ein bisschen mehr Nationalpark.

Geschichte, Herausgeber und Verlag

Die Zeitschrift wurde im Jahr 1974 gegründet. Herausgeber ist der Verein der Nationalpark-Freunde e.V., dem Förderverein des 1970 als ersten in Deutschland gegründeten Nationalparks „Bayerischer Wald“.
Gründungsmitglieder des Vereins und Mitbegründer der Zeitschrift „Nationalpark“ waren unter anderem Adalbert Pongratz, dessen Tochter heute als verantwortliche Chefredakteurin fungiert, und Horst Stern, jenem Umweltjournalisten, der in den 1970er Jahren durch seine provokativen und wegweisenden Tierdokumentationen („Sterns Stunde“) bekannt wurde und zu einem Umdenken in Sachen Naturschutz und Arterhaltung bewegte.
Übrigens: Eine Mitgliedschaft im Nationalpark-Verein beinhaltet bei einem Jahresbeitrag von derzeit 52,00€ den Bezug der Zeitschrift „Nationalpark“. Näheres dazu hier.

Der oekom Verlag, bei dem die Zeitschrift „Nationalpark“ erscheint, versteht sich mit seinem Programm als Medienplattform für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Dies spiegelt sich in den Zeitschriften und Büchern des Verlags deutlich wieder. Auch hier findet der Verlag gezielt Nischen und Themen abseits des großen Geschehens um die immer wiederkehrenden Probleme und Ideen unserer Zeit. Unter anderem gelingt dies durch ein Konzept, welches sich oekom crowd nennt. Ähnlich anderer Crowdfunding-Plattformen kann man hier Buchprojekte auf dem Weg zur Veröffentlichung unterstützen. „Leser werden zu Verlegern“ lautet das Motto und soll helfen, „innovative Ideen zur Nachhaltigkeit in Umwelt und Gesellschaft“ zu publizieren.

Werbung

…gibt es auch in dieser Zeitschrift. Etwa 4 von den 48 Gesamtseiten sind mit Werbeflächen belegt, was einem Anteil von 8% entspricht. Thematisch geht es in den Anzeigen etwa um Bücherangebote des oekom Verlag, Öko- und Naturtourismus, Reiseversicherung oder Naturschutzorganisationen. Es gibt auch Werbebeilagen von Verlagen, Vereinen und anderen. Insgesamt wirkt das Erscheinungsbild aber sehr strukturiert und aufgeräumt. Der Lesekomfort wird nicht durch die Werbung beeinträchtigt.

Gesamteindruck

Der Zeitschrift gelingt die Vermittlung dessen, was in Deutschland, Europa und der Welt in Sachen Umweltschutz passiert. Sie findet die aktuellen Themen, wobei es wie schon gesagt nicht unbedingt die lautesten und medienwirksamsten sind. Genau darin wird der Leser aber wachgerüttelt, indem er erkennt, dass noch so viel mehr ringsum geschieht.

Immer wieder wird er mit dem Ringen mit Politik, Bürokratie und Gesellschaft konfrontiert, dem der Umweltschutz ausgesetzt ist.

Titelthema Nationalpark Ausgabe 172-2016
Titelthema der „Nationalpark“-Ausgabe 172 über die Wilderei inmitten des Naturparks Hutovo Blato in Bosnien, einem wichtigen Rast- und Brutgebiet für Zugvögel aus Europa und Afrika.

Bemerkenswert ist auch die authentische und fundierte Vermittlung der Themen. Daraus sprechen Erlebnisse und Erfahrungen auf persönlicher Ebene der Autoren und keine Schreibtischabenteuer.

Die Qualität der Bilder ist ausgezeichnet. Das Verhältnis von Bild und Text liegt ungefähr bei 1:1, wobei es Berichte gibt, die textreicher sind als andere. Im Gesamtbild wirkt „Nationalpark“ sehr ausgewogen.

Erscheinungsform, Preis und Abonnement

„Nationalpark“ erscheint vierteljährlich und kostet als Einzelheft 7,90€. Mit dem Jahresabo  für 26,50 € kann man gegenüber dem Einzelheftkauf noch einmal 5,10€ sparen. Allerdings schlagen die Versandkosten (für Deutschland) nochmals mit 8,95€ pro Jahr zu Buche.

Interessant dürfte in diesem Zusammenhang das Online-Abo sein, welches natürlich ohne Versandkosten auskommt und mit 25,00€ Jahresgebühr noch einmal unter dem Print-Abo liegt. Die digitale Ausgabe wird als PDF versendet und ist damit auch die umweltfreundlichste Variante.

Außerdem gibt es Ermäßigungstarife für die Abonnements.
Mehr dazu unter: https://www.oekom.de/nc/zeitschriften/nationalpark/abonnement.html

Einzelhefte kann man beim Verlag bestellen oder in gut sortierten Bahnhofsbuchhandlungen erwerben.

Alle Abbildungen mit Genehmigung des Verlags.

Links

Homepage des oekom Verlag
Informationen zur Zeitschrift „Nationalpark“ auf der Verlags-Homepage
Homepage der oekom crowd

 

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