Ja, eine Futterstelle! (6)

Ich gebe es zu, ich bin ein eher skeptischer Mensch. Ich brauche eine Weile, bis ich mich über ein Thema soweit informiert fühle, dass ich eine Meinung dazu haben kann. Das ist sicher keine schlechte Eigenschaft. Zumal dazu auch etwas Geduld gehört, das ständige Für und Wider auszuhalten, besonders bei Reizthemen.

Ein solches ist die Frage nach der Vogelfütterung im Garten. Da geht es ja um Grundsätzliches, um eine Art Lebenseinstellung. Da gibt es kein „lauwarm“, kein „ist mir egal“, kein „zwischendrin“ oder „mittelprächtig“. Da geht es um alles oder nichts. Ja oder Nein. Für die einen gehört die Ganzjahresfütterung schon fast ins Grundgesetz, die anderen finden es unsinnig, lächerlich, ja sogar kontraproduktiv. So oder ähnlich erlebt man dieses Thema in den sozialen Netzwerken.
Da ich anfangs gar keine Meinung hatte, war ich auch sehr verwundert, dass die Emotionen so schnell hochkochen, wenn es um das Füttern von Vögeln geht.

Die Futterstelle – ein gebranntes Kind

Ich schlingerte nach kurzer Zeit von dem „Keine Meinung“-Standpunkt zum „Abwarten und Mund halten“-Standpunkt. Wenn es derartige Diskussionen gab, dann musste doch etwas faul sein mit dem Vogelfüttern. Am Ende war es weniger die Fütterung selbst, als vielmehr die Kontroverse darum, die mich veranlasste, lieber die Finger davon zu lassen? Aus sicherer Entfernung analysierte ich die Argumente – und auch mein Bauchgefühl – und stellte fest: was mich störte, war die Vermengung des Begriffs „Vogelbeobachtung“ mit dem, was man letztendlich als „Futterplatzbeobachtung“ beschreiben könnte.

Amsel (Turdus merula)

Aber das war ja meine ganz und gar subjektive Einschätzung. Ich schloss mich Vogelgruppen an, um etwas über Vögel zu lernen – schließlich geht es um das Projekt „Mein Weg zu den 300“. Da kann ich mich nicht tagein, tagaus mit Kohlmeisen, Blaumeisen, Amseln und Sperlingen aufhalten. Oder anders ausgedrückt: die Beobachtung von Futterplätzen diente einfach nicht der Erlangung meines Ziels. Im Gegenteil, es schien mir wie Mogeln, mit Hilfe einer Futterstelle Wildvögel anzulocken um sie zu fotografieren, statt rauszugehen in die Habitate und mir die Beobachtung zu erarbeiten, auch wenn das mal mit Enttäuschungen endete.
Ich habe nichts gegen Gartenvögel, doch auf Facebook über Tage hinweg Dutzende wackelige und durch Glasscheiben fotografierte Rotkehlchen zu betrachten und die endlosen Likes darunter zu sehen, führte mich schon zur Frage, was der Anspruch dabei ist.
Eine wichtige Frage!
Mir gefiel jenes Argument am meisten, dass es nämlich wichtiger sei, die natürlichen Nahrungsvorkommen zu schützen und zu verbessern, anstatt künstliche Futterstellen zu schaffen. Vermutlich ist das auch die einzige Wahrheit in dieser ganzen großen Diskussion ums Füttern. Doch wie soll der Einzelne das bewerkstelligen? Wie soll er die Landschaft, insbesondere die vergiftete Agrarwüste in diesem Land, für Insekten und Vögel freundlicher gestalten? Langfristig ist politisches Engagement und bewusster Konsum da sicher ein guter Ansatz, doch hier und jetzt hilft das den hungrigen Vögeln und den ausgeräucherten Insektenbeständen herzlich wenig. Der eigene Garten ist doch kein schlechter Anfang für praktische Veränderungen.

Zagemut

Aus einer undefinierbaren Laune heraus kaufte ich Anfang Januar einige Meisenknödel und hängte sie an den Feuerahorn, der mitten in unserem Garten steht und von meinem Sofa aus so unheimlich bequem zu beobachten ist. Es begann zu schneien, und ich kaufte einen mit Fettfutter ummantelten Pinienzapfen und hängte ihn neben die Knödel. Es wurde richtig Winter mit kniehohem Schnee. Eine halbe Kokosnussschale mit Fettfutter wanderte an den Feuerahorn. Fettringe mit Sonnenblumenkernen trudelten im kalten Wind.

Blaumeise (Cyanistes caeruleus)

Eine erste Anwandlung von Pflichtgefühl hatte sich also eingestellt, nachdem ich nun seit einem dreiviertel Jahr den Vögeln nachstellte und sie mich wieder und wieder mit ihrer Erscheinung beglückt hatten. Doch an der Futterstelle blieb es ruhig. Gelegentlich sah ich drei Blaumeisen durch unsere Hainbuchenhecke stromern. Die Elstern kamen vorbei und tatsächlich ließ sich auch eines schneegrauen Morgens kurz ein Sperberterzel auf dem Dachfirst nieder, woraus ich schloss, dass da irgendwelche Vögel sein mussten. Doch der große Run auf meinen Futterbaum blieb aus.
So ging das fast einen ganzen Monat lang. Die Knödel baumelten, die Fettringe trudelten, der Zapfen und die Kokosnuss lösten sich bereits von ihrem Juteband, als dann doch Leben an die Futterstelle kam. Zunächst waren es die Blaumeisen und die Kohlmeisen. Dann der Amselmann und die Elstern. Eine gewisse tägliche Routine wurde erkennbar. Und je zuverlässiger die Vögel kamen, umso mehr machte sich ein Gefühl in mir breit, welches wohl die beste Antwort auf die obige Frage nach dem Sinn des Ganzen war: es machte mich glücklich!

Elster (Pica pica)

Ist dieses Gefühl einmal da, ist die ganze Pro-und-Kontra-Diskussion für die Katz‘. Es ist Wurscht, wie viele positive Auswirkungen das Füttern hat – wer sich dafür interessiert braucht einfach nur dem Peter Berthold mal eine halbe Stunde zuzuhören. Und auch die Gegenargumente interessieren nicht mehr. Jetzt geht es um anderes: um Zeit und Geld und Verantwortung. Es braucht nicht viel von diesen, aber natürlich kann man aus jeder Mücke einen Elefanten machen und auch aus einem Meisenknödel kann irgendwann eine wahre Futterburg werden…

Am wichtigsten ist wohl vor allem die Verantwortung, denn natürlich gilt es einige Dinge beim Füttern zu beachten.
Als Erstmaßnahme tauschte ich die Knödelnetze gegen Futtersäulen aus. Schließlich sollte sich hier niemand verheddern. Auch die Menge des Futters wollte ich an den Bedarf meiner Futtergäste anpassen, damit nichts herumliegt und verdirbt, wobei ich es einem Vogel durchaus zutraue zwischen gutem und schlechtem Futter zu unterscheiden und sich bei genügend gutem Futter dann auch für dieses zu entscheiden. Trotzdem: Hygiene ist wichtig. Ich beobachtete tagelang, wie oft die Vögel auf dem Baum saßen und ihren Klecks machten. Denn unten hatte sich Körnerfutter angesammelt, was von einigen Arten regelrecht abgeweidet wurde und was ich deswegen nicht wegräumen wollte. Meine Beobachtung war, dass der Baum tatsächlich nur zum Futtern benutzt wird. Da gab es kein „Abhängen“ und „Schnäbelwetzen“, dafür waren die Vögel im beginnenden Frühjahr viel zu beschäftigt. Sie kamen, fraßen, nahmen sich noch eine Erdnuss „auf die Handschwinge“ und fort waren sie wieder. Das Vogelkotproblem schien damit erst einmal vom Tisch.

Erlenzeisig (Carduelis spinus)

Ich will darauf achten, dass nicht mehr Vögel da sind, als der Lebensraum es zulässt. Von den meisten Vogelgästen weiß ich, wo sie nisten bzw. dass sie im näheren Umfeld heimisch sind. Die beiden Ringeltauben sind so ein Beispiel. Ihren Brutplatz kenne ich nicht, habe sie aber schon oft auf den Dachfirsten ringsum sitzen sehen und rufen hören. Eines Tages kam das Männchen die Lage auskundschaften. Am folgenden Tag tauchten sie beide auf und seitdem sind sie täglich da. Von mir sehr gern gesehene Gäste, denn ich mag ihre Bedachtsamkeit und die Sanftmut, die der Taube wohl nicht umsonst die Symbolkraft des Friedens angedichtet hat.

Umso auffälliger sind neue Arten am Futterbaum, die meist auch nicht so regelmäßig kommen, wie die ortsansässigen Vögel. Bei jedem dieser Neulinge frage ich mich, wo sie brüten könnten und wie weit sie sich auf der Suche nach Futter vom Brutort entfernen würden. Handelt es sich um Durchreisende oder gibt es tatsächlich im näheren Umfeld Brutpaare? Manche haben auch noch gar nicht mit dem Brutgeschäft begonnen und sind womöglich noch auf der Suche. Dabei ist es nur natürlich, dass sie auch das Futterangebot berücksichtigen.

Das Füttern von Vögeln in meinem Garten verbietet mir der gesunde Menschenverstand als Besitzer von drei standorttreuen, hochmotivierten Katern.

Das war meine Meinung vor einem guten halben Jahr. Die drei Kater sind immer noch da, haben sich aber weit weniger als Problem entpuppt, als ich befürchtete. Tagsüber sind sie schlafenderweise im Haus – und das ist ja die Hauptbesuchszeit meiner Vogelgäste. Nachts ist ohnehin niemand da und da darf und will Kater dann bevorzugt  rumstrolchen. Und in den wenigen Momenten, wo Miez und Vogel sich dann doch mal begegnen, sorge ich – wenn ich dabei bin – selbst für etwas Radau, um die Vögel aufmerksam zu machen. Schlussendlich, eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, weder im Garten noch in freier Wildbahn. Da meine drei Kater ihr Revier sehr gründlich verteidigen, ist die Gefahr, dass fremde Katzen sich am Futterbaum zu schaffen machen eher noch geringer. Aber mir ist schon klar, dass das Problem gar nicht so sehr in den Altvögeln liegt, die wachsam sind, sondern in ein paar Monaten, wenn die Jungvögel flügge werden und damit zur leichten Beute.

Im Laufe der Zeit genoss ich den Futterbaum immer mehr. Ich lernte die Futtervorlieben kennen, beobachtete die Dynamik unter den Vogelgästen und freute mich unbändig, wenn wieder eine neue Art am Futterplatz vorbeischaute und sich bediente.

Was für einen Unterschied es macht…

Am tollkühnsten sind die Kohlmeisen, die auch im Nistkasten am Gartenhaus brüten. Der Meisenmann hockt im Kirschbaum und trällert in die Welt hinaus, dass alles hier ihm gehört. Er und der Amselmann sind oft gemeinsam unterwegs und weiden unter dem Futterbaum die herabgefallene Samen und Fettbröckchen ab. Zaghafter sind die Sperlinge, die sich anfangs nur unter den Baum trauten, wenn der Amselmann da war. Der Gute wurde fast zu einer Art Übervater für alle. Seine Gegenwart strahlt vermutlich Sicherheit aus und in der Tat ist er sehr wachsam. Ihm schloss sich auch ein einzelnes Rotkehlchen an, welches nach dem furchtbaren Sturm im März für einige Tage von der Bildfläche verschwunden war. Manchmal fliegen Vögel ja „um den Sturm herum“, weichen ihm damit aus und kehren nach ein paar Tagen in ihr Revier zurück. Zumindest hoffte ich, dass Rotkehl so einer war und nicht von den Sturmböen davongewedelt worden war. Aber dann tauchte er wieder auf und meine Sorge löste sich in Wohlgefallen auf.

Grünfink (Chloris chloris)

Eines Tages erschien ein  Grünfinkenpaar. Ich bemerkte es, weil die Meisen herumkrakeelten, ein kleiner Aufruhr! Die Grünfinken kommen seitdem regelmäßig vorbei, und bedienen sich am Körnerfutter. Tags darauf sah ich ein Erlenzeisigpaar, doch ihr Erscheinen blieb eine einmalige Angelegenheit.

Die Besuche des Elsterpaares wurden seltener, wie jedes Jahr, wenn das Sammeln von Nistmaterial zu Ende geht und die Brutzeit beginnt. Ab und zu stolzieren sie noch umher, ein bisschen ruppig und rabaukenhaft, sodass der Rest der Futtergäste sich den Auftritt dezent aus der Hecke oder vom Kirschbaum herab ansieht.

Kürzlich tauchte ein Stieglitzpaar auf. Es war ein trüber Morgen Ende März. Ich beobachtete von meinem Sofa aus mit der Kaffeetasse in der Hand, wie die Meisen sich an den Erdnüssen bedienten. Die Blaumeisen nehmen sie mit in die Hecke, wo sie sie fressen, während die Kohlmeisen auf dem Futterbaum hocken bleiben und gleich an Ort und Stelle knuspern. Stieglitze sind knifflig, wenn man ein Foto von ihnen machen möchte. Etwas rastlos, unheimlich mutig auch, wenn sie kurz vor jemandes Gesicht in den Zweigen hocken und tschilpen was das Zeug hält, um den Fremdling auf Distanz zu halten. Und noch nie ist es mir gelungen, ein anständiges, scharfes Foto vom Stieglitz zu machen. Zu weit weg, zu unruhig und auch der Autofokus am Fotoapparat hat mit der bunten Gefiederfärbung eines Stieglitzgesichtes wohl so seine Schwierigkeiten. Aber sollten die Stieglitze nun öfter kommen, habe ich vielleicht endlich eine Chance. So gab mir das kurze Erscheinen der beiden bunten Finken einen schönen Motivationsschub in den Tag.

Stieglitz (Carduelis carduelis)

Da war es wieder, das Glück, über das man mit niemandem diskutiert, das einem niemand kaputt beleidigen kann, das jenseits von Argumenten existiert und dominiert und für das man sich gar nicht erst die Mühe macht, sich zu rechtfertigen. Ein stilles Glück, mit der belebenden Kraft eines Adrenalinfeuerwerks.

Warum Vögel beobachten?

Sicher, der praktische Nutzen einer Futterstelle – vor allem für die Vögel – ist das Futter und der damit einhergehende Sättigungseffekt. Der Gewinn für den Menschen ist aber eher ein ästhetischer. Und das darf man nicht unterschätzen.

Die Kunst, also die reinste Form der Ästhetik, ist eine einzige Frage der Wahrnehmung und dem, was diese auslöst. Emotionen. Es geht nicht um gut oder schlecht, sondern darum, was das größtmögliche Maß an Zufriedenheit auslöst. Zufriedenheit ist ein Begriff, der oft fehlinterpretiert wird, weil er sich so leicht mit Akzeptanz verwechseln lässt. Aber es handelt sich nicht darum, wie sehr oder wenig annehmbar etwas ist, wie zufriedenstellend es ist. Zufriedenheit ist das Ergebnis von Bedürfnislosigkeit, von einer inneren Stille, einem Frieden eben. Diese Zusammenhänge habe ich mir übrigens nicht selbst ausgedacht. Sie eröffneten sich mir während eines Seminars in Spanischer Literaturwissenschaft bei einem Professor namens Rodiek in Dresden, über den von manchen gesagt wurde, dass er „un maravilloso“ sei. Das ist zwar schon einige Jahre her, aber dieses Denkkonstrukt hat sich in meine Hirnwindungen gebohrt und bislang jeden Praxistest bestanden.

Ringeltaube (Columba palumbus)

Im Falle des Beobachtens von Vögeln ist Ästhetik ein ganz entscheidender Punkt. Dass es nämlich genau darum geht, merkt man, wenn man einmal aufgrund einer Vogelsichtung ganz und gar im Frieden mit sich und der Welt war. Es ist ein ergreifendes Erlebnis, das lange vorm Sichtkontakt beginnt!

Ein Vogel, das betrachtete Kunstwerk also, ist nicht einfach da, es muss gefunden werden. Es lässt sich nicht bestellen und liefern, es flimmert nicht als Dauersendung durch die Realität, es bedarf vielmehr einem gewissen Maß an Anstrengung. Von den positiven Effekten der körperlichen Betätigung an frischer Luft will ich hier gar nicht erst sprechen. Ich stehe im Wald und lausche in die Stille. Die Geräusche eines Waldes sind wunderbar. In der Ferne Klopfen, Schnarren und Pfeifen. An einem See vielleicht Trompeten oder Schnattern, Flattern, Platschen. Aus einem Schilf dringen undefinierbare Geräusche. Manchmal spüre ich regelrecht, wie meine Ohren sich nach den Geräuschen ausrichten wollen, wie bei einer Katze.  Und dann beginnt es, das Glück, indem ich weiß, wer da ruft. Der Wald ist nicht mehr fremd und unheimlich, er ist voller Kunstwerke! Eines der schönsten Geräusche ist das durchdringende Trompeten eines Kranichs, das sich im Raum eines Waldes ausbreitet.

Eine Zeitlang stehe ich still und verschmelze mit dem Wald, dem Seeufer, der Wiese… Nicht lange und es wird laut um mich herum. Der Gesang vieler kleiner Kehlen setzt ein. Schatten und Farbfetzen huschen durchs Geäst oder Schilf.  Meine Augen suchen nach ihren Urhebern. Gelingt es mir dann, einem von ihnen ins Angesicht zu schauen und dabei festzustellen, dass ich ihn noch nie zuvor gesehen habe, beschleunigt sich schlagartig der Puls. Jetzt noch ein tolles Foto zu machen – das wär es, perfektes Glück, vollkommene Zufriedenheit!

Goldammer (Emberiza citrinella)

Der Kick, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein und den Auslöser zu betätigen… ein Gefühl für das ich gerne stundenlang durch die Gegend streife.

Es liegt nicht an mir, das macht den vorzüglichen Reiz an der Sache aus, sondern einzig und allein an der Laune des Vogels. Gewährt er mir den Moment? Das Herz schlägt bis zum Hals, der Atem wird ganz flach. Jeder dieser Augenblicke ist anders, einzigartig, keine Wiederholung des Programms. Das heißt auch: vorbei ist vorbei!

Konnte ich mich sattsehen? Habe ich einen bleibenden Eindruck erhalten, oder war der Moment, den mir das Vögelchen gewährte, zu kurz, um mir ein Bild von ihm zu machen?

Aber es ist noch mehr, was erst im Laufe der Zeit deutlich wird. Manchmal kommt man einem Vogel, der an sich scheu ist, so sehr nahe, dass man geradezu elektrisiert ist. Oder einer, den man schon seit Wochen sucht, taucht plötzlich und völlig unerwartet direkt vor einem auf. Diese Begegnungen gehören ins Tagebuch, daran will ich denken, wenn ich alt werde und mir die Lebenskraft und der Lebensmut schwinden.

Kunst zum Greifen nahe

Der Futterplatz für Wildvögel, auch wenn es sich dabei um so genannte „Gartenvögel“ handelt, macht nichts anderes mit mir. Genau wie die Beobachtungen in Wäldern oder an Seen löst die Sichtung von Vögeln am Futterplatz diese schönen Gefühle aus und führt zu einer tiefen Zufriedenheit. Hier hat man etwas mehr Zeit, um das Auge über die Kunst schweifen zu lassen. Färbungen und Formen des Gefieders, Bewegungen, Rufe, Revier- und Balzverhalten, Futtervorlieben und sogar Beziehungen unter den Vögeln lassen sich hier quasi im Homeoffice beobachten. Ein neuer Gast am Futterbaum versetzt mich genauso in Aufruhr wie draußen in der Wildnis eine Erstbeobachtung.
Menschen, die Vögel füttern, brauchen sich mit diesen für sie so wichtigen „Nebenwirkungen“ nicht zu verstecken. Vielleicht ist es eher anders herum, nämlich, dass Menschen, die Vögel nicht so leicht zugänglich erleben, im Alltag etwas Entscheidendes fehlt: Zufriedenheit.

Aber ich fürchte, mit dieser These löse ich bereits wieder die nächste Kontroverse aus…

Rotkehlchen (Erithacus rubecula)

Hier geht es zum vorherigen Teil des Birding-Tagebuchs…

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