Duck Tales (7)

Seit ich in Ostfriesland einem Krickentenerpel fast zum Greifen nahe gekommen bin, haben Enten einen großen Reiz auf mich. In der im Schilf versteckt liegenden Beobachtungshütte an den Hauener Pütten sah ich das mit feinsten Strichen gemaserte und am Kopf metallisch grün und rostbraun glänzende Gefieder des Erpels und war fasziniert. Enten sind in der Tat ausgesprochen schön befiederte Geschöpfe von großer Vielfalt. Darüber hinaus lassen sich Enten recht leicht beobachten.

Als ich nun meine Liste der neuesten Erstbeobachtungen anfertigte, stellte ich fest, dass dieses Mal acht Entenarten darunter sind, jede einzelne ein Kunstwerk der Natur. Die meisten habe ich während der Kurzreise auf den Darß erstmals beobachten können.

Männliche Eisente (Clangula hyemalis) an der Seebrücke Zingst

Zweifelsfrei am aufwendigsten dekoriert ist die Eisente, die sich an den Seebrücken in Prerow und Zingst herumtrieb. In kleinen Trupps tauchen sie nach Muscheln in der glasklaren Ostsee. Die Erpel sehen aus, als hätten sie sich ein weißes Sternendeckchen übergeworfen. Die beiden äußeren Schwanzfedern sind verlängert und stehen beim Schwimmen rechtwinklig vom Bürzel ab. Beim Tauchen ziehen sie sie wie Bänder hinter sich her, wie wir in einem Diorama im OZEANEUM in Stralsund sehen konnten.

Bildmitte: Spießente (Anas acuta), ganz links das Weibchen.

Unerwartet war die Begegnung mit den Spießenten. Sie hatten sich an einem kalten, stürmischen Vormittag am Nordstrand unter die Stockenten gemischt, doch ein Spießentenerpel im Prachtkleid kann da niemandem etwas vormachen. Fällt ja auf wie eine bunte Kuh!

Besonders ergreifend war die Begegnung mit den Sanderlingen und der Eiderente in Ahrenshoop. Ich hatte schon einige Tage lang Ausschau nach den kleinen, flinken Limikolen gehalten und auf den Buhnen in Ahrenshoop entdeckte ich sie dann. Sie pickten im Moos herum und bewegten sich zielstrebig und koordiniert vorwärts. Eilig haben sie es, als gäbe es nicht genug Zeit. Und so waren sie auch schon wieder fort, kaum dass ich mich an ihrem Anblick erfreut hatte.

Kurz darauf schaukelte am Wellenbrecher im Blau des Meeres ein dicker weißer Fleck. Mir war sofort klar, dass es eine Eiderente sein musste, auch wenn ich erst beim Blick durchs Teleobjektiv genau sah, um wen es sich handelte. Die Eiderente hatte ich mir sehnlichst gewünscht, das merkte ich in diesem Moment. Da waren Erzählungen anderer über den „Eiderdampfer“ und die Bilder aus dem Film „Magie der Fjorde“ von Jan Haft, den ich zur Green Screen Tour 2019 gesehen hatte. Darin kämpfen die Weibchen gemeinsam gegen Großmöwen, die es auf die Küken abgesehen haben. Die urgewaltige Kraft, die diese Bilder über die Eiderenten ausstrahlten, haben mich schwer beeindruckt. Auch wenn der Erpel hier in Ahrenshoop sehr gemütlich im morgendlichen Wellengang schwappte, tat das meiner Faszination keinen Abbruch. Ich war nicht einfach nur glücklich oder erleichtert. Ich war euphorisch. Als wir bereits zum Hochufer hinauf gestiegen waren, bemerkte ich, dass sich der Eidererpel auf die andere, dem Ufer nähere Seite des Wellenbrechers begeben hatte, wo ich ihn aus zehn, fünfzehn Metern Distanz fotografieren konnte. Also parkte ich Mann und Kinder am Steilhang und eilte nochmal zum Strand hinunter, wo mich der Erpel dann ungerührt meine Fotos machen ließ.

Männliche Eiderente (Somateria mollissima)

Ein weiterer schöner Moment war der Abend an der Zingster Seebrücke bei windstiller See. Das Meer war in der untergehenden Sonne in hellen Blau- und Rosatönen gefärbt, Reflexionen vom wolkenlosen Himmel. Und auf diesem spiegelblanken Wasser ließen sich die Enten ausgezeichnet beobachten. Auch die Mittelsäger, die in Strandnähe nach Fischen tauchen und dem Beobachter durch ihr markantes Kopfgefieder ins Auge fallen. Mehr aber als ihre fesche Frisur trägt ihr Verhalten dazu bei, dass man den Blick kaum von ihnen losreißen kann. Die Männchen jagen einander, wobei man sich an einen Comic erinnert fühlt, denn es sieht aus, als würden sie über das Wasser rennen, den Kopf nach vorn gestreckt, platschend und flatternd. Die Damen dagegen scheint das alles gar nicht zu interessieren. Sie schwimmen geschäftig mit ihrer tollen Frisur umher. Und dann macht es flutsch! und alle sind weg zum nächsten Tauchgang.

Zwei männliche Mittelsäger (Mergus serrator) vor Zingst.

Kniffliger ist es mit den Zwergtauchern, die ich schon in Ostfriesland gesehen habe, an der Elbe bei Dresden und im Nothafen am Darßer Ort. Sie sind eben wirklich sehr klein und darum auch schwer vor eine 300mm-Linse zu bekommen. Da sind dann zwanzig Meter Distanz schon recht weit für ein anständiges Foto. Aber ich mag diese niedlichen und sehr geselligen Energiebündel mit ihren fluffigen Hinterteilen.

Ein Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) auf der Elbe bei Pillnitz/Dresden.
Zwergtaucher im Nothafen Darßer Ort.

Weitere neue Arten, die ich beobachten konnte, waren die Schellente, die Schnatterente und die Knäkente.

Weibliche Schellente (Bucephala clangula)
Hinten: Schnatterenten (Anas strepera), rechts der Erpel.
In der Bildmitte zwei Knäkenten (Anas querquedula),
rechts daneben zwei Schnatterenten (Anas strepera).

Eines der Highlights des beginnenden Frühjahrs war die Sichtung eines Schwarzstorches im LSG Spreeniederung, welches sich allmählich zu einem meiner Lieblingsspots mausert. Recht zuverlässig trifft man dort neben unterschiedlichen Entenarten, Kormorane, Rotmilan, Mäusebussard, Rohrweihe, Grünspecht und viele Singvogelarten in einer solchen Dichte, die nur durch das reiche Nahrungsvorkommen in und um die Teiche und den angrenzenden Wiesen erklärbar ist. Ein echtes Naturjuwel!

Schwarzstorch (Ciconia nigra)
Reiherenten (Aythya fuligula) im LSG Spreeniederung.
Im Hintergrund Schellenten (Bucephala clangula).

Ich sah in Prerow einmal eine Haubenmeise, deren Foto aus unbekannten Gründen verunglückte, denn sie saß zwei Meter vor mir in einer Tanne. Noch so ein Unglücksfall ist der Schwarzhalstaucher an den Zschornaer Teichen, den ich aufgrund schlechter Lichtverhältnisse und großer Distanz nur makelhaft ablichten konnte. Nicht zum ersten Mal gesehen, aber erstmals fotografiert habe ich Buchfink, Reiherente und Wacholderdrossel. Und der Grünfink, den ich zunächst in Ungarn am Balaton sah, treibt sich neuerdings auch für mich sichtbar in meiner Nähe herum.

Kolbenenten (Netta rufina)

Ebenfalls erstmals in Ungarn, im Kis-Balaton, habe ich die Kolbenente beobachtet. Jetzt sah ich sie endlich auch in Deutschland, nämlich im Teichgebiet Entenschenke bei Königswartha in der Teichlausitz. Da gibt es so einen kleinen Kurzschluss im Kopf, wenn ich die Erpel sehe: Disco Fever! Die leuchtenden Köpfe sehen aus wie 70er-Jahre-Frisuren… Bei den Teichen der Entenschenke, wo es auch recht zuverlässig Seeadler zu beobachten gibt, konnte ich auch das erste anständige Foto einer Tafelente machen (Beitragsbild), die mir bereits an den Stradower Teichen im Spreewald begegnete.

Einer der talentiertesten Frühlingssänger, zumindest fürs menschliche Ohr:
der Buchfink (Fringilla coelebs)
Wacholderdrossel (Turdus pilaris)

Total bewege ich mich auf meine ersten hundert Vogelarten zu: 99 sind es im Moment! Ich bin schon sehr gespannt, wer der hundertste Kandidat wird!

Literatur

Meine Leseliste ist inzwischen ganz beachtlich. Neben der Vogelliteratur haben sich da nun auch diverse Titel zum Thema Nachhaltigkeit und einige Zeichenkurse zur Vogelmalerei hinzugesellt.
Als neue Rezension gibt es demnächst „Das große Buch der Vögel“ von Nathalie Tordjman.
Im Augenblick blättere ich in „Von Nachtigallen und Grasmücken“ von Barbara von Wulffen, einer autobiografischen Hommage an das Vögelbeobachten – lange vor Johanna Rombergs „Federnlesen“ erschienen, nämlich bereits 2002. Die Biologin erzählt darin auf intelligente, ergreifende und nicht zuletzt auch humorvolle Art von ihrem Weg zur leidenschaftlichen Vogelbeobachterin. Ein lebendiges und authentisches Panorama der Ornithologie im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Das Buch kommt ganz und gar ohne Zeichnungen aus, dabei sind Zeichnungen von Vögeln irrsinnig schön, weil Vögel irrsinnig schön sind. Dafür malt Barbara von Wullfen mit ihren Worten auf eine so lebendige und ausführliche Art, dass Illustrationen tatsächlich gar nicht notwendig sind.

Der zweite Versuch, den Sperber (Accipiter nisus) abzulichten. Diesmal suchte sich der Terzel einen völlig vernebelten Morgen aus. Er scheint mieses Wetter zu mögen…
Pläne

Im April steht unsere Osterreise in den Naturpark Unteres Peenetal an. Ich bin schon sehr gespannt auf den Anklamer Stadtbruch, das Stettiner Haff und die Insel Usedom und mehr noch auf ihre gefiederten Bewohner!
Außerdem mache ich jetzt Nägel mit Köpfen und packe endlich das Projekt „Vögel zeichnen“ an. Die erstaunliche Geschichte dazu gibt es dann beim nächsten Mal.

Schnatterenten und eine Graugans im LSG Spreeniederung

Hier geht es zum vorherigen Teil…
… und hier zum nächsten Teil.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.